Sonntag, 28. August 2016

Lust auf Experimente (1) - Tropfsteine selber machen (Gastbeitrag Große)




Hallo, ich bin "die Große". Ab und zu dürfen meine Schwester und ich hier unsere Experimente vorstellen.

Eine Tropfsteinhöhle im Kleinformat


Ich sollte in der 5. Klasse ein Referat über Stalaktiten und Stalagmiten halten. Mein Klassenlehrer hat mir dazu ein Arbeitsblatt mit einer Anleitung "Einen Stalaktiten selber machen" gegeben. Ich stellte mir den Versuch schwer vor. Echte Tropfsteine brauchen doch ewig zum Wachsen. Die selber gemachten wachsen aber richtig schnell. Weil es mir so viel Spaß machte, zeige ich es euch.

Gruselig, aber Mama beharrte auf die Sicherheit.


Ich besorgte:
- 250 g Waschsoda/Kristallsoda (Natriumcarbonat-Decahydrat Na₂CO₃ · 10 H₂O)
Das Pulver greift den Fettfilm der Haut an! Schutzbrille und Handschuhe sind daher sinnvoll. Es löst sich in Wasser auf. KEIN Natriumhydrogencarbonat verwenden! Das wäre leider Backnatron/Backpulver (NaHCO₃) und schäumt auf, wenn man Wasser verwendet. Ist aber für Raketen-Experimente super!
- warmes Wasser 
- zwei Gläser
- dicke Wolle
- Büroklammern
- Untertasse
- Löffel


Ich malte die Höhle mit Bleistift vor.


Ich habe für mein Referat einige Bücher gelesen und die WAS-IST-WAS-Bücher finde ich dafür richtig toll. Darin werden die Themen genau erklärt und die vielen Bilder sind sehr anschaulich. Dann haben wir in den Ferien Ausflüge gemacht und verschiedene Steinbrüche und Tropfsteinhöhlen besichtigt. Die sind so wunderschön! Die Anleitung für das Experiment mit Gläser und Faden fand ich spannend, aber es wirkte vom Aussehen her irgendwie langweilig. Ein Problem hatte ich auch noch zu lösen. Man darf die Gläser nicht mehr bewegen, sonst gehen die Tropfsteine kaputt, aber ich sollte doch das Ergebnis der Klasse zeigen. Mama gab mir eine Schuhschachtel, damit ich meine Becher reinstellen konnte und nichts umfallen konnte. Da hatte ich eine Idee:


Die Höhle wurde dann bunt bemalt.


Die Schachtel, wenn man sie nach vorne kippt, sieht schon aus wie eine Höhle. Man hat Decke, Wand und Boden. Ich habe mir mit Bleistift meine Höhle selber gemalt, mit großen Stalaktiten und Stalagmiten, mit Sintervorhang und Tropfsteinsäulen. Dann malte ich mit Wasserfarben die Dunkelheit. Für die Tropfsteine habe ich Deckweiß mit anderen Farben gemischt. Manchmal war die Farbe zu flüssig, aber so schlimm war das nicht, Tropfsteine tropfen auch. Das sah richtig echt aus, wenn die Farben ineinander liefen.

Der fertige Aufbau. Es sah jetzt schon viel echter aus.


Ein Problem waren die Gläser. Es sah einfach nur hässlich aus. Unsere Trinkgläser durfte ich nicht nehmen, Plastikflaschen waren zu groß für die Schachtel. Marmeladengläser und die Plastikbecher fand ich auch blöd. Mama suchte das ganze Haus aus und dann hatte sie die perfekten Flaschen. Die sahen schon aus wie Tropfsteine, waren bunt und passten gerade so in meine "Höhle". Ich malte mir in der Schachtel auf, wohin ich sie kleben wollte. Eine Untertasse brauchte ich noch. Ich bekam aber nur einen Marmeladenglasdeckel den ich in die Schachtel klebte.

Der Wollfaden soll vorher eingeweicht werden, damit das Wasser besser fließt.


Im Arbeitsblatt stand, dass man das Soda im warmen Wasser auflösen soll, bis die Kristalle sich nicht mehr auflösen. Dazu nahm ich eine Tasse und füllte einen Teil der fertigen Lösung mit einem Trichter in die Flaschen. Ich schnitt einen dicken Wollfaden von Omas Wollvorräten ab, machte an den Enden einen Knoten und befestigte daran die Büroklammern. In der Mitte machte ich auch noch einen dicken Knoten hinein. Der Faden muss in der restlichen Lösung erst eingeweicht werden und dann kommen die beiden Enden in die zwei Flaschen hinein und der Rest der Lösung wird in die Flaschen gefüllt. Diese habe ich schnell mit der Heißklebepistole auf die Schachtel geklebt.


Hier hat sich schon ein Tropfstein (Stalaktit) gebildet.

Das Wasser beginnt sofort vom Faden zu tropfen und deshalb ist der Untersetzer wirklich wichtig. Darin bildet sich später der Stalagmit. Bei mir tropfte es allerdings zu schnell. Als ich kurz aus dem Zimmer ging und wieder kam, war der Deckel schon fast voll und wäre bald übergelaufen. Hektik! Ich brauchte Hilfe! Die Flaschen waren ja festgeklebt.  Wir mussten in die Höhlendecke Löcher machen und löffelten das Wasser durch die Löcher wieder in die Flaschen zurück. Das nutzte nichts. Das Einflösen zurück in die Flasche war viel zu zeitaufwendig. Also haben wir noch mehr Soda in die Flaschen rieseln lassen und auch in den Untersetzer getan. Wenn ihr das Experiment nachmacht, nehmt deshalb so viel Soda, bis die Lösung richtig trüb oder milchig ist!

Das war der Stalagmit. Unten konnte ich die überschüssige Lösung weglöffeln,
ohne das Wachstum zu zerstören.


Nach einigen Stunden entstanden weiße Ablagerungen auf dem Faden. Ich löffelte weiter das Wasser aus dem Marmeladenglasdeckel, bis ich ins Bett ging. Dort wo die Lösung aus Versehen hintropfte, entstanden Kalkblagerungen und ich war froh über den Karton. Nachts musste Mama weiter löffeln, da der Deckel zu schnell voll lief. Sie stellte sich sogar den Wecker. Am Morgen gab sie mir einen Plastikschnapsbecher und den stellte ich verkehrt herum in den Deckel. Es sollte ja auch ein Stalagmit wachsen aber das ging nicht, wenn ich das Wasser unten immer wieder weglöffelte. Ich war so stolz auf meinen Stalaktit, aber immer wieder brach er ab einer gewissen Länge ab. So ist es auch in den Höhlen! Die Stalagmiten können deshalb viel größer als die Stalaktiten werden. Auf dem Schnapsglas entstand langsam eine "Mütze" und es sah alles viel echter aus.

Fast geschafft!


Am nächsten Nachmittag liefen die Tropfen endlich langsamer. Der Tropfstein (Stalaktiten entstehen aus Tropfen) wuchs dadurch schneller. Der Stalagmit (Stalagmiten wachsen mit) auch. Dann blieb das Wasser stehen - zu viel Soda. Deshalb habe ich Wasser zum Verdünnen in die Flasche gelöffelt. Ein bisschen muss man immer kontrollieren. Nach über einer Woche hatte ich ein Stalagnat.  Der von oben getropfte Stalaktit ist endlich mit dem von unten hoch gewachsenen Stalagmit zusammengewachsen. Der ist mir allerdings wieder kaputt gegangen. Ich denke, die Luftfeuchtigkeit blieb nicht hoch oder gleichmäßig genug. Deshalb trocknet irgendwann alles aus, bröselt und bricht ab. Also habe ich wieder für mehr Feuchtigkeit gesorgt. Mittlerweile wurden meine Tropfsteine richtig dick. So sah es aus, als ich mein Referat halten musste:

Geschafft! Das Experiment ist gelungen!



Meine Tropfsteinhöhle existiert jetzt - nach über zwei Jahren - übrigens immer noch!

Bis bald!

Die Große










Samstag, 20. August 2016

Und dann öffne ich meine Arme für dich!



Als meine große Tochter so im Sonnenuntergang zur Walberla-Kapelle lief, fiel mir ein Lied von Gerhard Schöne ein. "Und dann öffne ich meine Arme für dich!". Ihr könnt auf seiner Homepage in das Lied hineinhören und dort auch einige seiner Texte lesen (Die CD heißt "Lieder" und wurde 1993 herausgegeben, ihr müsst also etwas nach unten scrollen.).

Meine Mädels sind sichtbar keine kleinen Kinder mehr. Sie werden ihren Weg gehen und ich wünsche ihnen von Herzen, dass es ein guter Weg sein wird.

Einmal kommt der Moment, wenn du sagst: 
"Nun lass mich schon los. Ich kann selbst fliegen!" 
Oh, dann drück ich dich noch einmal geschwind. 
Hol tief Luft und geb dir ganz viel Rückenwind. 
Leise werde ich beten: "Gott behüt mein Kind!"

Und dann öffne ich meine Arme. Und dann öffne ich meine Arme für dich!



Freitag, 19. August 2016

Kleine Spielerei - Kornblumenzucker




Das war noch eine kleine spontane Aktion, um auch für dieses Jahr das wundervolle Kornblumenblau zu bewahren. Meine Mutter ging mit dem Hund Gassi und die Kinder durften sie dabei begleiten. Nachdem die Bauern das Getreide gedroschen hatten, hob meine Mutter mit den Kindern schnell noch einige blühende Blüten vom Feldrand auf. Die Kornblume ist eine geschützte Pflanze, man darf sie also nicht einfach in der Natur sammeln und dadurch die Ausreifung der Samen verhindern! In diesem Fall wären die Blüten allerdings nur im Getreidestroh gelandet. Sie hätten keine Samen mehr bilden können. Wie freute ich mich! Dieses Blau ist für mich eine der wundervollsten Blautöne und auch meine Oma begeisterte sich bis zu ihrem Lebensende für dieses Blau.


Nachdem ich die Kornblumen erhalten, immer wieder die Blüten betrachtet und die Farbe bewundert hatte ("Ist gut jetzt Mama, wir wissen es, dass du die Blume und die Farbe toll findest!"), kam der Zeitpunkt der Verarbeitung. Sie sollten auch weiterhin uns das Leben versüßen, als Kornblumenzucker (Kinder nennen ihn begeistert leider Schlumpfzucker).


Die Zutatenliste ist kurz:
Kornblumenblüten (in diesem Fall 30 Stück) und 100 g Zucker
Man kann auch getrocknete Blüten nehmen, da wäre die Struktur gröber und der Zucker bliebe weiß.
Die Farbe der Kornblumen ist leider nicht lichtbeständig und sollte deshalb dunkel gelagert werden.
Ich lasse mal die Bilder sprechen.



Blüten der gesammelte Kornblumen

Nur die blauen Blütenblätter verwenden.

Die Blütenblätter mit dem Zucker vermahlen bis der Zucker blau ist


Die leicht feuchte Masse auf einem flachen Teller oder 
einem mit Backpapier ausgelegtem Blech geben


An einem warmen, dunklen Ort trocknen lassen. Der Farbton wird klarer.


Noch einmal mörsern und dann abfüllen.

Im ersten Bild seht ihr eine Blüte als Deko. Ich hatte leider keine Kornblumen mehr. Dies ist eine Verwandte der Kornblume, die ihr sicherlich öfters schon in Gärten gesehen habt. Ihr Name: Bergflockenblume. Deren Blütenblätter verwende ich übrigens gerne in Kräuterbutter, Kräuterquark und im Salat. 


Kornblumen flecht ich dir zum Kranz

Kornblumen flecht' ich dir zum Kranz
Ins blonde Lockenhaar.
Wie leuchtet doch der blaue Glanz
Auf goldnem Grund so klar!

Der blaue Kranz ist meine Lust;
Er sagt mir stets aufs neu,
Wohl keine sei in tiefster Brust
Wie du, mein Kind, so treu.

Auch mahnt sein Himmelblau zugleich
Mich heimlich süßer Art,
Dass mir ein ganzes Himmelreich
In deiner Liebe ward.
(Emanuel Geibel)









Sonntag, 17. Juli 2016

Momente





Das Leben besteht aus seltenen einzelnen 
Momenten von höchster Bedeutsamkeit
und unzählig vielen Intervallen, 
in denen uns bestenfalls die Schattenbilder 
jener Momente umschweben.
Die Liebe, der Frühling, jede schöne Melodie,
das Gebirge, der Mond, das Meer – alles das redet
nur einmal ganz zum Herzen,
wenn es überhaupt je ganz zu Worte kommt.
Denn viele Menschen haben jene Momente gar nicht 
und sind selber Intervalle und Pausen 
in der Symphonie des wirklichen Lebens.
(Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Was für kostbare Momente. Die Zeit ist schon ein seltsames Konstrukt. So individuell einzigartig für jede einzelne Person.

Dieses Bild steht stellvertretend für einen wertvollen Moment ... einen wertvollen Moment für mich.

Wie unendlich lang dauerte es, bis ich meine Kleine endlich einmal aus dem Klinikzimmer mit dem mit Fliegengitter bespannten Fenster, ins Freie nehmen durfte. Nur kurz sollte es sein. Eine halbe Stunde Frischluft und das nur deswegen, weil ich sie auf der Intensivstation alleine versorgte und schon lange nicht mehr auf Apparate schaute, um zu wissen, ob alles in Ordnung war. Zum ersten Mal in ihrem Leben, nach viereinhalb Monaten in der Klinik, sollte meine Tochter den Himmel sehen und im kleinen Krankenhauspark (direkt vor der Kinderklinik) Bäume. Dort hoppelten wilde Kaninchen herum und ein kleiner runder Teich beherbergte Teichhühner mit ihren Küken.

Aus dem Altbau der Kinderklink heraus tretend weiteten sich die Augen meiner Kleinen. Die Augen wurden groß und größer. Zum ersten Mal blauer Himmel!  Klare Farben! Nicht wie aus dem Bett erlebt, verschwommen und getrübt durch die grauen Fliegengitter. Unter einer Plantane blieb ich stehen. Die Äste wiegten sich leicht im Wind und die Blätter raschelten. Nur langsam löste sich ihr Blick und sie schaute zu einem Rosenstrauch. Ich nahm es als Aufforderung und schob den Wagen langsam dorthin. Vorsichtig streckte sie die Hand aus. Ich bog einen Zweig so, dass sie schnuppern konnte und wieder wurden die Augen vor Erstaunen groß. Ich bückte mich und pflückte ein paar Gänseblümchen. Sie lächelte und griff zu. Fest zu, so dass die Knöchel ihrer kleinen Hand weiß sichtbar wurden. Sie führte die Blumen zum Gesicht und die kleinen Blütenblätter kitzelten ihre Nase und Wangen. Sie schüttelte ihren Kopf und lächelte. Die frische Luft und die neuen Eindrücke zeigten Wirkung. Sie gähnte nach kurzer Zeit und schlief mit dem Blick auf die Teichhühner zufrieden ein.
Der Oberarzt kam vorbei und wechselte mit mir kurz ein paar Worte. Er war erstaunt, dass ich mir traute, mit meiner Kleinen alleine spazieren zu gehen. Als ich ihm die Werte zeigte und meinte, ich würde gerne länger draußen bleiben, da sie stabil war und die Situation sichtlich genoss, stimmte er mir zu. Ich sollte halt weiterhin die Gerätschaften im Auge behalten. Er wollte in der Station Bescheid geben, dass er mir die Erlaubnis gegeben hatte und ich - mit seiner Erlaubnis - etwas später hoch käme. Was für eine Freude für mich! Was für ein toller Tag!

Ich wollte den Moment genießen und schob den Wagen zu einem gepflasterten runden Platz. Man saß dort windgeschützt, da er mit Steinmauern umrandet war, welche Wärme speicherten. Natürlich konnten sich auch die Patienten und Angehörigen aus den anderen Klinikgebäuden dort erholen. Ich setzte mich vorsichtig und machte die Bremsen des Kinderwagens fest. Zum allerersten Mal hatte ich als Mama mein eigenes Baby in einem Kinderwagen herum gefahren. Ein bisschen Normalität in all dieser Zeit. Stolz und glücklich betrachtete ich meine Kleine. Sie sah so wunderschön aus.

Die Werte waren perfekt. Der Monitor hing am Kinderwagengriff. Ebenso war die Sauerstoffflasche dort hingehängt worden und lag direkt am Korpus des Wagens an. Unter dem Kinderwagen war  für den Notfall das Absauggerät für die Lunge verstaut und mit einem Tuch abgedeckt. Im Fußbereich des Bettchens stand die Nahrungspumpe. Der Zugang zur Jejunalsonde (künstliche Ernährung über den Dünndarm) war unter der Bettdecke versteckt. Der Perfusor für die Medis war nicht angeschlossen. Man sah also nur die Stange, an der der Nahrungsbeutel hing und mein Kind - wenn man direkt in den Wagen schaute - so wie auf dem Foto erkennbar.

Dieser wunderschöne Moment wurde jäh zerstört. Zwei Frauen setzten sich mir gegenüber auf die Parkbank. Die eine schaute mich mit zusammengekniffenen Augen böse an. Ich dachte mir nichts dabei. Jeder konnte einen schlechten Tag haben. Dann zündeten sich beide eine Zigarette an und fingen an zu rauchen. Plötzlich giftete mich die eine Frau laut an, ich wäre mit meinem Kind eine Zumutung für die Gesellschaft. Ich solle gefälligst verschwinden. Ich war fassungslos. Erwidern konnte ich nichts. Ich war zu geschockt. Ich hab mir nur in diesem Moment gedacht, wie vielen Eltern mit sichtbar behinderten Kindern oder behinderten Erwachsenen ist wohl schon so etwas passiert? Wenn Menschen schon so verletzend sind, obwohl sie nicht einmal erkennen können, was eigentlich dem Baby fehlt, um wie viel grausamer sind sie wohl, wenn sie eine deutliche Behinderung erkennen? Ich ging in die Klinik zurück. Die Kleine schlief unbeeindruckt weiter. In ihrer Hand fest umschlossen die Gänseblümchen.

Hoffen wir einmal, dass diese Damen im Alter (wenn sie krank sind oder Hilfe benötigen) verständnisvolle Pfleger finden, die  eine andere Sichtweise haben und sie dann nicht als Zumutung für die Gesellschaft sehen.









Montag, 11. Juli 2016

Augen auf beim Kompost umstechen!






Sie sind in meinem Garten gern gesehen und ich denke, sie fühlen sich auch sehr wohl darin. Es gibt viele Nischen, Steinmauern, Unterwuchs und Wasserstellen. Einmal blieb mir doch das Herz fast stehen. Ich stach gerade den Kompost um und erstach dabei fast eine 50 cm lange Ringelnatter. Als eine zweite große Ringelnatter sich mir entgegen schlängelte, brach ich erst einmal ab und grub vorsichtig mit den Händen weiter. Ich war auf ein Schlangennest im Komposthaufen gestoßen. Sie durften bleiben, der Kompost blieb erst mal wie er war und ich klopfe seitdem vor dem Umsetzen erst einmal an alle Seiten an. Es wäre zu schade gewesen, wenn ihnen etwas zugestoßen wäre.


Diese hier sonnte sich vor der Haustür im Gras. Ist sie nicht wunderschön? Es ist ein ca. 1,20 m langes Exemplar. Die männlichen Nattern können bis zu 1,60 m groß werden, doch Weibchen bleiben meist kleiner. Diese hier hat ihren Stammplatz im Garten und ist eine erfahrene alte Schlange. Sie wohnt direkt am Haus und dies freut mich sehr. Früher war man der Meinung, sie würden Glück bringen und man dürfe sie nicht vertreiben. Deshalb nennt man sie auch mancherorts Hausunk oder Hausschlange. Auf den unteren Bildern seht ihr die Kleinen. Auch diese fand ich beim Komposthaufen. Nach den Bildaufnahmen ließ ich sie an Ort und Stelle wieder frei.



Wenn früher bei uns im Garten sich die Blindschleichen und Ringelnattern im Garten oder an unserem Hausfelsen sonnten, riefen mich meine Eltern. Ich setzte mich dann vorsichtig hinzu und betrachtete die schönen Tiere. Ihre Faszination auf mich haben sie immer noch nicht verloren und auch ich rufe meine Kinder, damit sie sich über den Anblick freuen können.

Schlangen sind nicht glitschig, aber wenn sie aufgewärmt sind, sind sie äußerst flink und wendig. Sie sind wechselwarm, können nicht schwitzen und regeln deshalb ihre Temperatur durch Sonnenbäder und dem Aufsuchen von Schattenplätzen. Ihre glatte, warme Haut ist angenehm und nicht nur einmal war ich überrascht, wie muskulär Reptilien sein können. Die Schuppen schützen vor Austrocknung und die obere Haut enthält viel Keratin (viele Frauen wollen den Inhaltsstoff in ihren Haarmitteln, weil es die Haare elastisch und glänzend macht). Im Gegensatz zu Blindschleichen verlieren Ringelnattern nicht den Schwanz und ihre Haut schimmert aufgrund der Struktur matter. Zwei halbmondförmige weiße oder gelbe Flecken am seitlichen Hinterkopf sind charakteristisch für die Ringelnatter. Die Weibchen haben eher weißliche und die männlichen Schlangen deutlich gelben Flecken. 



Erst mit ca. vier Jahren werden die Schlangen geschlechtsreif. Mit der gespaltenen Zunge nehmen Reptilien Duftstoffe aus der Luft auf und durch eine Vertiefung im Gaumen werden die aufgenommenen Informationen im Jacobson-Organ ausgewertet. Männchen können Weibchen also schmecken. Treffen sie aufeinander, reibt er seinen Kopf an ihrem Körper auf und ab. Es sieht ein wenig aus, als würde er sie streicheln wollen. Dabei züngelt er unentwegt. Durch das Jacobson-Organ erkennt er dabei das Geschlecht und die Paarungsbereitschaft seines Gegenübers. Ist sie bereit und weicht nicht aus, kriecht er Richtung Kopf, schiebt seinen Schwanz unter ihrer Kloake und dringt mit seinem Hemipenis ein. Dies ist eine Besonderheit der Schuppenkriechtiere. Sie haben einen Y-förmigen Penis und daran verhornte widerhakenartige Hautfortsätze (teils verkalkte Stacheln), um sich "verankern" zu können. Von diesem "Doppelorgan" (Y - teilt sich vorne) benutzen sie bei der Paarung nur einen Schenkel. Darin befindet sich eine Rinne, durch die das Sperma in die Kloake des Weibchens laufen kann. Dafür lassen sie sich gerne eine halbe Stunde lang Zeit.

Einige Wochen nach der Paarung, meist im Juni oder Juli, suchen die Weibchen Haufen aus verrottendem Laub, Kompost oder gemähtem Gras. Dort legen sie an den feuchtwarmen Plätzen ihre 10 - 30 taubeneigroßen Eier ab. Die bei der Verrottung freigesetzte Wärme brütet innerhalb von vier bis zehn Wochen diese aus. Mit dem Eizahn (ein kleiner Zacken an der Oberlippe) befreien sich die Jungtiere von ihrer Eihülle. Sie sind dann so groß, wie bei mir auf den Bildern zu sehen ist. Kaum dicker und länger als ein Bleistift, meist kleiner als 20 cm und sofort auf sich alleine gestellt. Da früher Ringelnattern auch im Misthaufen vor dem Kuhstall zu finden waren, nannte man sie Kuhschlangen. Es ist allerdings nicht der Fall, dass die Ringelnattern liegende Kühe melken würden. Im ersten Lebensjahr sterben die meisten Jungschlangen. Sie sind gern gesehene Beute von Igeln, Greifvögeln, Störchen und Reihern. Selbst Wildschweine gehören zu den Fressfeinden der ungiftigen Natter. Nahrungsmangel (fehlende Kaulquappen) macht ihnen am meisten zu schaffen. Wenn alles gut läuft, können sie allerdings 20 - 25 Jahre alt werden.



Die Bauchseite der Jungtiere ist blauschwarz glänzend. Als Abgrenzung zur grauen Körperfarbe verläuft beiderseits des Körpers eine Reihe weißer, größerer Schuppen. Auf dem grauen Körper sind immer wieder gleichmäßig verteilte schwarze Schuppen zu finden. Bei den ausgewachsenen Tieren ist die Bauchunterseite sehr hell, doch sieht man dort immer wieder fast regelmäßig angeordnete, schwarze Schuppen. Die Musterung kann dabei variabel ausfallen, so wie es extrem dunkle Ringelnattern gibt, bei denen die einzelnen dunklen Schuppen auf dem Rücken kaum sichtbar sind. Jedes Exemplar hat eine individuelle Bauchzeichnung! Bei manchen Exemplaren verlaufen direkt am Rückgrat dunkle Flecken gleichmäßig. Diese Nattern werden leider oftmals fälschlicherweise für Kreuzottern gehalten. Letztere haben aber niemals die gut sichtbaren Halbmonde.



Ob die Ringelnatter ihren Namen von ihren Verknotungskünsten hat? Sie ringelt sich wirklich stark ein und macht sich klein, wenn sie Angst hat. Die gelben Halbmonde könnten an einen Ring erinnern. Früher dachte man, die Schlange trüge eine Krone und sie wäre eine Natternkönigin. Man nennt sie zudem auch noch Schwimm-, Hecken- oder Wassernatter, Unk oder nur "der Wurm".
Mit einer Unke verbindet man normalerweise etwas anderes, nämlich kleine, krötenähnliche, warzenbesetzten Amphibien, mit herzförmigen Pupillen. "Unke" – stammt scheinbar vom nordgermanischen "unkvi" ab, was mit dem lateinischen anguis verwandt ist und Schlange bedeutet. Ab dem Frühmittelalter verwendete man das Wort "Unk" für Schlange. Bei den "richtigen (krötenähnlichen) Unken" ist der Wortursprung im nordgermanischen "ûkôn" zu finden.

Ihr wissenschaftliche Name Natrix natrix ist da eindeutig. Er bedeutet "Schwimmerin". Tatsächlich schwimmen Ringelnattern sehr oft im Wasser, um Frösche und Fische zu jagen. Sie besitzen hinter der Lunge einen Luftsack, in dem sie Luft speichern, bevor sie auch tauchend auf die Jagd gehen. Sie gehören also zu den Schwimmnattern (Natrix). Speziell zur Unterart der Wassernattern (Natricinae) und im Allgemeinen zur Familie der Nattern  (Colubridae). Es bliebe noch zu erwähnen, dass es bei uns diese zwei Unterarten gibt:
1. Die Nördliche Ringelnatter (Narix natrix natrix), diese hat ihr Vorkommen bis Skandinavien und Westrussland.
2. Die Barren-Ringelnatter (Narix natrix helvetica), sie findet sich im westlichen Europa und in Norditalien.

Da Ringelnattern ein so großes Verbreitungsgebiet haben, gehören sie zu den am häufigst envorkommenden Schlangen. Man sichtete sie auf 2000 m Höhe ebenso wie im Flachland. Nur in den kühlsten Regionen Skandinaviens, in Nordnorwegen, Westschweden, Schottland und in Irland scheint sie nicht vorzukommen. 
Auch die weiteren Unterarten unterscheiden sich hinsichtlich der Färbung und Größe:
3. Spanische Ringelnatter (iberischen Halbinsel bis Nordwestafrika)
4. Streifenringelnatter (Balkan bis Kleinasien und zum Kaspischen Meer)
5. Russische Ringelnatter (Russland)
Auf Inseln wie Sizilien, Korsika und Sardinien und einigen griechischen Inseln gibt es weitere Unterarten. Die Iberische Ringelnatter ist eine eigene Art und wir seit 2016 nicht mehr als Unterart geführt.


Kann man sich vorstellen, dass diese kleine Schlange bei manchen Menschen Angst verursacht?
Die Schwimmnatter lebt gerne an Gewässern und in Feuchtgebieten. Es ist ihr egal, ob an Teichen, Tümpeln, Bächen oder in Auen-Landschaften. Allerdings sollte das Feuchtgebiet eine üppige Kraut- und Strauchschicht aufweisen. Unter alten Baumwurzeln verstecken sie sich gerne, um frostgeschützt zu überwintern. Diese Winterruhe (Kältestarre) dauert oftmals von Oktober bis April. Als wechselwarme Tiere werden sie durch die steigenden Temperaturen wieder aktiv. Meist wachen dabei die Männchen vor den Weibchen auf.

Obwohl die Ringelnatter ein sehr weites Verbreitungsgebiet hat und eine häufiger anzutreffende Art ist, ist sie durch die Zerstörung der Auen-Landschaften in einigen Gebieten Deutschlands vom Aussterben bedroht. Somit steht sie in fünf Bundesländern mittlerweile auf der Liste der stark gefährdeten Tiere. In acht Bundesländern ist sie gefährdet, in Hessen steht sie auf der Vorwarnliste und nur im Saarland ist sie ungefährdet im Bestand. Sie steht als besonders geschützte Art bundesweit unter Artenschutz (Bayerische Artenschutzverordnung).



Leider wächst die Haut bei Reptilien nicht mit und so muss sich auch die Ringelnatter öfters häuten. Meist sieht die Schlange in der Zeit "krank" aus. Die Haut wirkt stumpf, glänzt nicht und auch die Augen wirken wie blind. Sie trüben sich ein und bekommen einen milchigen Schimmer. Ursache ist eine trübe Flüssigkeit zwischen der neuen und der alten Hautschicht. Diese erleichtert die Ablösung der Haut. Nach einiger Zeit (1-2 Wochen) schimmert diese wieder deutlicher durch. Die Flüssigkeit scheint absorbiert zu werden, denn beim Abstreifen nach einigen Tagen, ist die entfernte Haut rascheltrocken. Die Häutung beginnt am Kopf. Augen wie auch die Geschlechtsteile, werden gehäutet. Die zwischen Sträuchern und Steinen abgestreifte Haut bleibt dann "auf links gedreht" meist im Gebüsch unbemerkt liegen. In dieser Zeit reagieren selbst die harmlosen Ringelnattern empfindlich und teilweise aggressiv auf Störungen.


"Nein", schimpfte die Ringelnatter

"Nein", schimpfte die Ringelnatter, "die Mode
Von heutzutage, die wurmt mich zu Tode.
Jetzt soll man täglich, sage und schreibe,
Zweimal die Wäsche wechseln am Leibe,
Und immer schlimmer wird's mit den Jahren.
Es ist rein um aus der Haut zu fahren!"
So schimpfte die Ringelnatter laut
Und wirklich fuhr sie aus der Haut.
- - -
Der Vorfall war nicht ohne Bedeutung,
Denn zoologisch nennt man das Häutung.
(Joachim Ringelnatz 1883-1934)


So schnell konnte ich diesmal nicht schauen, schon war die kleine
 Schlange im Haar verschwunden und ich zur Medusa umgewandelt.

Ringelnattern haben weder Ohröffnungen und ihr Mittelohr ist stark verkümmert. Das Innenohr ist allerdings intakt. Bis jetzt weiß man nicht, wie das Hören bei der Schlange funktioniert. Die Kriechtiere reagieren auf eine Annäherung ab ca. acht Meter oftmals mit Flucht. Ringelnattern haben keine Giftzähne und vermeiden Konflikte. Nur wenn man sie überrascht und sie sich in die Ecke gedrängt fühlt, richtet sie sich manchmal auf und zischt laut. Ist man davon unbeeindruckt und lässt der Schlange keinen Ausweg zu, kann es sein, dass sie plötzlich merkwürdige Verrenkungen macht, sich um sich selber windet und "krampft", um plötzlich mit geöffnetem Mund und heraushängender Zunge zu erschlaffen. Sie stellt sich tot. Angreifer verlieren angesichts des "furchbaren Todes" dabei oftmals das Interesse an der Beute. Falls nicht, spritzt die Ringelnatter aus ihren Analdrüsen eine stinkende Flüssigkeit, die am Gegenüber penetrant langanhaltend anhaftet.

Wusstet ihr, dass die tagaktive Ringelnatter keine Augen schließen kann? Sie sieht nicht besonders gut mit ihren runden Pupillen, aber sie kann Farben erkennen (die meisten nachtaktiven Schlangen besitzen senkrechte Sehschlitze!). Die leicht nach oben gerichteten Augen ermöglichen ihr fast ganz unter Wasser zu gehen und trotzdem die Umgebung zu beobachten. Ihr Sehfeld beträgt fast 140°, dabei decken 45° beide Augen ab, was das räumliche Sehen erleichtert. Ebenso kann sie ihr Auge auf entfernte Objekte scharf stellen. Im Nahbereich dagegen, orientiert sie sich eher über das Bewegungssehen.



Die Ringelnatter jagt nicht nur über den Geschmackssinn, sondern erkennt Beutetiere anhand Temperaturunterschiede. Sie verfügt über das sogenannte "Grubenorgan" (liegt zwischen Augen und Nase) und kann dadurch Temperaturschwankungen von 0,003° C in ihrer Umgebung wahrnehmen und orten. 
Sie ist auch in anderen Bereichen bewundernswert. 
Nattern verfügen über ca. 300 Wirbel und können jede Rippe frei bewegen. Durch das fehlende Brustbein können sie größere Beutetiere verschlingen. Das liegt aber auch am Kiefer. Schlangen haben keine Schläfenknochen und der Unterkiefer ist mit dem Oberkiefer nur über einen Muskel verbunden und nicht verwachsen. Die erstaunliche Mundbeweglichkeit nennt man Schädelkinematik. 
Wie alle Schlangen befinden sich bei der Ringelnatter je am Unterkiefer einer und am Oberkiefer zwei Zahnbögen. Die Zähne sind nach hinten gebogen. Sie sind lang und spitz. So gibt es kein Entrinnen aus dem Maul. Die äußere Reihe Zähne hält das Opfer und die innere transportiert es millimeterweise in Richtung Speiseröhre. So werden Kaulquappen, Molche, Frösche, Kröten und Fische, selten auch Kleinsäuger wie Mäuse und als Übergangsnahrung auch manchmal Schnecken vertilgt. Zerkaut wird das Beutetier nie. Übrigens, sogar Zahnwechsel kennen Schlangen! Die Zähne erneuern sich, sobald sie verbraucht sind.
Der Verdauungsvorgang dauert dann je nach Art und Größe des Beutetiers einige Tage. Da dies der Ringelnatter viel Energie kostet und sie dabei Ruhe braucht, zieht sie sich gerne an einen ungestörten Platz zurück. Wird sie beim Fressen oder Verdauen gestört oder angegriffen, würgt sie ihre Nahrung wieder aus, damit sie agiler reagieren kann. Die sehr aggressiven Verdauungssäfte des Schlangenmagens verdauen selbst Knochen. In den Kotballen wurden bisher jedenfalls weder Fell noch Knochen gefunden.



Etwas, was viele Menschen Schauer über den Rücken jagen lässt, ist das "Geschlängel". Die Hautmuskulatur ist für die Fortbewegung verantwortlich. Obwohl das Gehirn größer als bei Amphibien ist, ist es dennoch kleiner als das von Vögeln. Das Kleinhirn ist für die Koordination der Bewegung zuständig. Nun ist aber aufgrund der Körperlänge das im Wirbelkanal liegende Rückenmark sehr lang und kann hundertmal länger als das Hirn sein. Da Reflexe zum Großteil vom Rückenmark ausgehen, kann dieses viele Bewegungsabläufe selbstständig ausführen. Wird nun eine Schlange durch einen Unfall geköpft, kann der abgetrennte Körper sogar Angriffshandlungen ausführen oder flüchten .

Keine Angst, die Ringelnatter durfte frei wählen, wohin sie kriechen möchte.
Entgegen vieler Behauptungen hatte sie keinerlei Interesse an der Milch.

In einigen Gegenden galt das Quälen und Töten der "Hausunke" als Frevel. Man glaubte, dass sie direkt mit den verstorbenen Ahnen in Verbindung stünde und man noch im selben Jahr sterben würde. Das Bild der zahmen, freundlichen Schlange, die Glück und Gesundheit den Hausbewohnern brachte, wurde auch von den Gebrüdern Grimm im Märchen von der Unke überliefert. Die Ringelnatter soll Milch lieben. Solange die Kinder ihre Milch, ihren Milchbrei oder anderes Essen mit der Ringelnatter teilten, blieben sie gesund und wurden reich. Schlugen sie die Schlange, stahlen sie ihr die Krone oder töteten sie die Unke, verstarben sie ebenso alsbald.

Aus Roth an der (fränkischen) Saale stammt folgende Sage, von der Friedrich Panzer berichtet:
Eine Frau sah öfters den Schlangenkönig, wie er in der Saale badete. Sie breitete ein weißes Tuch am Ufer aus, auf der er seine Krone ablegte. Die Krone sollte Hab und Gut mehren und dem Besitzer Glück bringen. Sie nahm deshalb die Krone an sich und eilte heim, der Schlangenkönig folgte ihr eilig. Er war so schnell, dass er, als sie die Haustür gerade noch vor seinem Eindringen zuschlug, sich so stieß, dass er tot zu Boden fiel.

Die Ringelnatter wurde in der Volksmedizin  gegen "Fraisen" (althochdeutsch Not/Gefahr, damit war eine Vielzahl an Krankheiten verbunden) eingesetzt. Man machte aus den Wirbeln Amulette oder sogenannte "Fraisenketten". Diese wurden um den Hals gelegt und die Wirkung derselbigen durch ein Gebet verstärkt. Auch Rosenkränze wurden aus den kleinen Knöchelchen hergestellt. Würde man sie auf einen Ameisenhaufen werfen, würde sie schreien, bis man taub würde. Um an die Wirbel zu gelangen, mussten die armen Kreaturen elendig leiden. Nebenbei sollte das "Atternschmalz" (Heckenwurmschmalz) gegen Schwindsucht, Veitstanz oder Darmsucht helfen. Ebenso gegen Ohrenzwang (Gehörggang-entzündung) und Bindehautentzündung. 
Wenn man zwei Tage lang bei zunehmendem Mond nüchtern abends die Galle von zwei Ringelnattern aß, sollte man von Epilepsie geheilt werden. Die abgelegte Haut war ein Glücksfund, konnte sie doch unsichtbar machen und half, verrieben und mit Baumöl (früherer Begriff für Olivenlöl) angesetzt, gegen das "Kaltvergift" (Rheuma). 

Auf solche Heilmittel kann man getrost verzichten. Genießen wir lieber den Anblick dieser anmutigen Tiere und freuen uns darüber, wenn wir sie im Garten beherbergen.


Kreislauf der Natur

Blindschleiche und Ringelnatter

Eine Blindschleiche traf am Uferrand eine Ringelnatter
"Bist du giftig oder nicht, Gevatter?", wollte sie ganz dringend wissen.
"Nein, ich bin eine Ringelnatter, ich bin nicht giftig.
Wäre ich eine Kreuzotter und hätte dich gebissen,
dann wärst du jetzt tot, das solltest du wissen."

Da bin ich aber froh, dass ich das jetzt weiß,
tot sein möchte ich nicht, das wäre ein Sch... 

Moral:
Wenn manchmal man etwas nicht kennt, 
dann muss man es studieren.
Erst wenn man einmal alles kennt,
kann auch nichts mehr passieren.

(mit freundlicher Genehmigung von Ulf Heimann 
aus dem Buch: "Fabeln und Märchen", ePubli Verlag, ISBN: 9783737505918)

Noch etwas Interessantes: http://www.sagen.at/texte/sagen/italien/vinschgau/naturns/schlangen.html

Verkehrsopfer. Sie schaffte es noch zum Straßenrand.